Segelsaison2016

IJsselmeer-Törn 2016

 

Montag, 18.07.16

 

Was für eine Wetterprognose! Nach dem verregneten Sommerurlaub auf Flyt im letzten Jahr an der Schlei könnte es dieses Jahr richtig heiß werden. Der norwegische Segel-Wetter-Dienst YR prophezeit tagelanges Sonnenwetter mit Temperaturen von knapp 30°C, eher schwachwindig aber dafür sehr beständig. Perfekte Aussichten für einen Einhandtörn Kreuz und quer über das IJsselmeer. Zuletzt war ich im Jahr 2011 mit meiner Hansajolle Flut in den Niederlanden. Damals war das Boot für ich neu und ich wollte meine erste Tour Einhand segeln. Noch unerfahren und mit vielen Fragezeichen bewegte ich mich damals sehr vorsichtig. War der Wind auch nur etwas stärker, blieb ich meist im Hafen. So lag ich zum Beispiel drei tage in Senk, weil ich mich alleine bei den angesagten 5bft nicht weiter traute. Dies sieht nun nach fünf Jahren und einigen Meilen alles ganz anders aus. Fast zwei Wochen habe ich zur Verfügung, um mich einfach treiben zu lassen. Ich habe im Vorfeld keinerlei Planungen zu Zielen und Orten gemacht. ich habe mir vorgenommen, jeden morgen einfach neu zu entscheiden, wie es weiter geht. Angeregt durch das letzte Buch von Stefan Boden alias Digger, soll es ein Segeln ohne Planung werden.

 

In Woudsend sollte Flyt ins Wasser gehoben werden. Die ansonsten in den Niederlanden hohen Krankosten sind hier überschaubar. Außerdem liegt der Ort mitten in der friesischen Seenlandschaft und ist somit idealer Ausgangspunkt. Bei viel Wind kann man sehr schön binnen auf den Seen und Kanälen bleiben. Wenn das Wetter passt, ist man aber auch schnell auf dem IJsselmeer. Damit das Auto nicht die ganze Zeit vor Ort stehen bleiben muss, hat sich meine Frau zum Transport bereit erklärt. Wegen der angesagten Hitze fahren wir frühmorgens in Hiltrup los. Schon um 10:00 Uhr erreichen wir den Yachthafen von Schraa Watersport. Ehe ich mich versehe, hängt mein Boot am Haken und ich kann direkt vor dem Auto festmachen. So kurze Wege für das ganze Material hatte ich auch noch nicht. Schon nach kurzer Zeit steigen die Temperaturen und ich ziehe meine kurze Hose an. Ich sollte sie in der ganzen kommenden Zeit nicht wieder gegen eine enge wechseln müssen. Ich lasse mir viel Zeit, mein ganzes Geraffel im Boot zu verstauen. Dieser Urlaub soll erholsam werden und Entspannung bringen nach all den vielen Terminen der letzten Wochen. Ein Gang durch das schöne kleine Örtchen, ein Start im Café an der Hubbrücke mit lustigem Hafenkino bei diversen verunglückten Anlegemanövern, „Kaffee met appelgeback en slag“ und anschließendem Großeinkauf runden den gelungenen Start ab. Nachmittags werfe ich die Leinen los und segle über die Kanäle Richtung Heger Meer. Ich bin dabei selber erstaunt. Es hat alles ganz entspannt geklappt, es war nichts defekt, alle Dinge waren dabei, nichts musste kurzfristig improvisiert werden. Mal schauen, wann das erste Mal der Bock drin ist und irgendetwas nicht so funktioniert wie gedacht.

 

In Heeg lege ich noch einmal kurz für einen Spaziergang durch den Ort an. Die Nutzung der Sonnencreme wird tägliches morgendliches Ritual werden. Meine Tube an Bord droht bald zu Ende zu gehen und so erstehe ich im örtlichen Supermarkt die einzig verfügbare Luxusversion für 18,- Euro. Demnächst lege ich mir einen Vorrat in die Bilge! Beim Verlassen des Ladens wird direkt hinter mir zugeschlossen. Dadurch wird mir erst bewusst, wie spät es schon ist. Trotzdem möchte ich am heutigen ersten Tag noch unbedingt segeln. Der Wind steht optimal mit einer Halbwind-Brise und so segle ich durch das komplette Heeger Meer bis kurz vor Warns. In einer ruhigen Ecke suche ich mir einen schönen Ankerplatz und teile mir mit dem Windgott und Schutzheiligen der Schiffer Rasmus das erste  „geistige“ Getränk diese Törns. Wenn ich Einhand unterwegs bin, gibt es zwei eiserne Regeln. Immer mit Weste, auch in kleineren Seen, und immer ohne Alkohol.

 

   

 

Dienstag, 19.07.16

 

Ich mag morgens noch gar nicht aufstehen. Die Vögel starten im Schilf ein betörendes Morgenkonzert, das Wasser liegt vollkommen still und ich drehe mich mehrmals wieder um. Nach einem morgendlichen Bad im Wasser und dem Versuch von Außenaufnahmen mit dem iPad in der wasserdichten Hülle segle ich weiter Richtung IJsselmeer. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, sodass ich schon in Stavoren die erste Pause in der Mittagszeit einlege. Kibbeling an der neuen Schleuse, ein kühles Eis und Dösen unter einem Baum am Binnenhafen sind die bessere Alternative, als Segeln in der Mittagshitze. Nachmittags lasse ich mich dann durch die neue Schleuse aufs IJsselmeer schubsen und treibe bei angenehmen Temperaturen in einer frischen Abendbrise auf Enkhuizen zu. Im alten Stadthafen finde ich ich noch spät ein Plätzchen zwischen den großen Booten und muss noch nicht mal ins Päckchen. Hier zeigt sich wieder der Vorteil eines kleinen Bootes. Während anderen Besatzungen bereits am Nachmittag ihre gewünschten Liegeplätze ansteuern, um noch einen einigermaßen passablen Platz zu ergattern, mach ich mir erst gar keine Gedanken darum. Irgendwo ist immer ein kleines Plätzchen für die Hansajolle frei. 

 

      

 

Mittwoch, 20.07.16

 

Ich behalte den Rhythmus vorerst bei. Morgens lange schlafen, dann noch Erkundungen oder Spaziergänge machen, und abends lange segeln. Heute ist für den frühen Abend ein Sommergewitter angekündigt. Die heißen Temperaturen in Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit könnten dem ganzen Recht geben. Also wird der heutige Schlag etwas kürzer werden. Horn ist mein nächstes Ziel. Außer einer kurzen Strecke mit Aufkreuzen bis zum Schleusenvorbecken bleibt das Segeln heute einfach. Bei südwestlichen Winden bleiben die Segel auf der Steuerbordseite belegt und werden erst wieder im Vorhaben von Hoorn gelöst. Viele Boote sind nicht mehr auf dem Wasser und so genieße ich den schönen Schlag. Immer wieder geht der Blick auf die sich weiter westlich auftürmenden Wolkenberge. Beim letzten Niederlande-Törn wäre ich vermutlich gar nicht erst aufs Wasser gegangen. Aber diesmal mache ich mir nicht allzu große Sorgen und segle parallel zu einer Yacht mit einem älteren Ehepaar durch den schönen Abend. Hoorn habe ich sehr lange nicht mehr besucht und ich freue mich auf einen Platz im alten Stadthafen. Das letzte Mal war ich mit meinem Schwiegervater während meines Ausbildungstörns zum BR-Schein dort. Ich kann mich nur noch ungenau an die kleine Waschbude auf der Rückseite eines Wohnhauses erinnern. Aber alles ist noch so wie früher. Abends werde ich Zeuge eines tollen Manövers im Vorhafen. Ein Dreimaster segelt ohne Motorunterstützung fast unter Vollzeug durch den schmalen Nebenzugang ins Becken und legt einen perfekten Aufschießer hin. In aller Ruhe fällt der Anker und die Segel werden nach und nach verstaut. Dieser Anblick war für mich wieder Motivation, möglichst viele Manöver nur unter Segel zu fahren. Man muss sich nur trauen… Innerlich blicke ich auf die letzten drei Tage zurück und stelle fest, dass ich bisher nur in Stavoren unter Segel angelegt habe. Schleusenmanöver machen natürlich unter Segel wenig Sinn, aber für die beiden bisherigen Stadthäfen hätte ich nicht unbedingt Den Außenborder anschmeißen müssen. Die nächsten Tage also ohne…

 

  

 

Donnerstag, 21.07.16

 

Ich war noch nie in Volendam. Und ich habe schon viel darüber gehört. Diese Mal möchte ich mir selber ein Bild machen. Von Hoorn aus ist es ja eigentlich nur ein Katzensprung. Mit halben Wind kann ich herüber segeln. Heute stelle ich erstaunt fest, dass das Wasser im Marker Meer viel klarer ist als im IJsselmeer. Häufig kann man tief blicken und auch die Wasserpflanzenfelder sieht man hier mitten auf dem Wasser viel häufiger. Was gänzlich im Gegensatz zu gestern fehlt, sind die grünen Algenschlieren auf der Oberfläche. Heute nachmittag nach dem Besuch von Volendam sollte ich unbedingt einen ausgiebigen Stopp vor Anker zum Schwimmen einlegen. In der Einfahrt zum Hafen von Volendam werden dann meine Pläne von gestern zum Anlegen unter Segeln direkt unterbunden. Ein großes Schild verbietet das Segeln im Hafenbecken. Also doch wieder Segel vorher runternehmen und den Krachmacher am Heck anwerfen. Vor der Werft an der linken Hafenseite darf ich für einen Rundgang festmachen und muss nichts dafür zahlen. Ungewöhnlich, aber nett für so ein Touristenzentrum. Und das ist Volendam auf jeden Fall. Erst jetzt ahne ich, auf was ich mich da eingelassen habe. Nach den ersten Schritten auf der Hafermeile werde ich erst gewahr, was um mich herum alles passiert. Disneyland ist ja klein dagegen. In einem Geschäft mit „typischem holländischen Kunsthandwerk“, wahrscheinlich aus asiatischer Fertigung, schaue ich mich kurz um. Plötzlich bin ich von einem Schwarm chinesischer Touristen umgeben. Flucht ist unmöglich, ich bin mitten drin. Die Buttons an ihrer Kleidung weisen sie als Mitglieder einer gemeinsamen Reisegruppe irgendeines Kreuzfahrtschiffes aus. Ich bin mir nicht sicher, ob sie von einem der größeren Binnenkreuzfahrer kommen oder per Bus aus IJmuiden oder Amsterdam angekarrt wurden. Erschrocken nehme ich schließlich Reißaus, hole mir noch schnell drei Hollandse Nieuwe (Matjes) und eile wieder an Bord. Schnell weg aus diesem Touristen-Nepp zurück aufs Boot. Da möchte ich lieber schwimmen und faulenzen auf meiner Hansajolle. In Sichtweite zu meinem heutigen Ziel Marken verbringe ich den Nachmittag bis zum Abend vor Anker. Abends schaffe ich dann doch meinen Anleger ohne Außenborder und mache direkt vor einem der Restaurants in Marken fest. Da es der kommunale Teil vom Hafen ist, muss ich noch nicht einmal Gebühren bezahlen. Da schmeckt das eiskalte Bier direkt an der Pier nochmal so gut. Die Preise im Vergleich zu Deutschland sind dabei echt happig. 4,50 Euro für ein kleines Bier tun auf Dauer ganz schön weh. Auch wenn es von einer kleinen Hausbrauerei kommt. 

 

  

 

Freitag, 22.07.16

 

Auf dem bereits erwähnten Ausbildungstörin mit meinem Schwiegervater sind wir vor Jahren an dem Nachbau der Batavia in Lelystadt vorbei gesegelt. Ich wollte immer schon einmal das Schiff von innen besichtigen und auch das angeschlossene Museum in Augenschein nehmen. Die Windvorhersage kündigt einen von Nord-Ost auf Nord drehenden Wind an. Das sollte mit einigen Kreuzschlägen am heutige Tag gut zu machen sein. Ich habe Zeit, es bleibt lange hell und so starte ich morgens bei fast keinem Wind und das erste Mal mit diesigem Wetter zu diesem Schlag quer über das Marker Meer. Der wenige Wind zerrt wenig an den Segeln, dafür mächtig an den Nerven. Ich mache kaum Strecke. Um nicht zu weit nach Süden abzufallen, lege ich zwischendurch immer wieder einen Holeschlag ein, der mich gefühlt fast wieder zurück zum Ursprungspunkt bringt. Ich bin schon kurz davor, mir ein anderes Ziel auszusuchen, als ganz unvermittelt mehr Wind aufkommt. Es mögen vielleicht drei Windstärken sein, aber damit segelt es sich doch wesentlich entspannter. Nach einem langen Tag lege ich endlich nur unter Segeln in dem riesigen, relativ leerem Bataviahafen an. Gemütliches Ambiente geht anders. Auf dem neuen Polder nach irgendwelchen modernen Plänen aus dem Boden gestampft, empfinde ich diesen Hafen als nicht wirklich einladend. Aber ich bin ja auch nur wegen des Museums hier. Und das ist für den nächsten Tag fußläufig zu erreichen. Ein Spaziergang zum geschlossenen Einkaufszentrum und am Schleusenbecken entlang beenden diesen Tag.

 

 

Samstag, 23.07.16

 

Morgens passend zur Öffnungszeit stehe ich am Eingang der Werft. Soll ich oder doch nicht? Die Preise für den Eintritt schrecken mich eher ab. Nur um einmal über die Planken zu balancieren so viel Geld bezahlen? Auf der anderen Seite ist es ja für einen guten Zweck. Schlussendlich nutze ich den Wind als Ausrede, nur ein paar Bilder von außen zu machen und zum Boot zurück zu kehren. Der Wind wird die nächsten Tage beständig aus nördlichen Richtungen kommen, sodass der Kurs Richtung Urk unsinnig ist. Also neuer Tagesplan: wieder zurück zur Nordseite des Markermeers. Ich möchte aber keinen Hafen zweimal anlaufen. Also werde ich mal schauen, wie weit ich komme. Vorbei an der Baustelle zu den neuen Marker Wadden geht es wieder durch die Schleuse Enkhuizen zurück ins IJsselmeer. Der Wind nimmt beständig zu und es sind ideale Bedingungen. Schnell aber trocken segle ich an Andijk vorbei Richtung Medemblick. Die letzten Meilen werden dabei sogar noch sportlich, hat der der Wind zum Abend hin doch noch ordentlich aufgebriest. Zum Reffen habe ich keine Lust und somit schiebe ich ordentlich Lage. Aber hoch am Wind kann ich genau auf die Zufahrt zuhalten. Vor Medemblick ist einiges los und ich bin froh, die Einfahrt zum Hafen schnell gefunden zu haben. Erst als ich drin bin, bemerke ich, dass hier alles anders aussieht als in meiner Erinnerung. Wo ist die lange Zufahrt zum Hafen mit dem alten Holzgestell auf der Mole? Erst dann sehe ich die riesige Flotte an Schlauchbooten und die anderen sportlichen Gefährte. Ich bin im Regatta-Center eingelaufen, anstelle den Stadthafen zu erwischen. Also wird der Außenborder wieder angeschmissen und der Bug in die Wellen geschoben. Ich möchte lieber drüben liegen. Einen Liegeplatz zu finden, wird heute etwas schwieriger. Alles ist voll zum Wochenende und ich erwische nur noch einen Platz direkt in der Durchahrt ganz am Anfang. Egal, Hauptsache fest liegen nach dem langen Tag. Als ich nach dem ersten Rundgang zurück zum Boot komme, wird der Begriff „fest liegen“ ad absurdum geführt. Der Wind legt weiter zu und damit der Schwell auch. Flyt buckelt ganz schön über die anrauschenden Wellen. Eine ruhige Nacht wird das nicht werden. Einzige Alternative ist ein Liegeplatz hinter der inneren Brücke im Westerhaven. Hier sind noch richtig schöne Plätze mit direkter Aussicht auf die Hubrücke frei. Richtige kleine Jollenliegeplätze. Leider ist die Brücke schon außer Betrieb. Wie gut, dass ich endlich das Vorstag mit einem Pelikanhaken ausgestattet habe. In Windeseile liegt der Mast, ich lege unter den verwunderten Blicken der Nachbarlicher wieder ab und ich gleite unter der geschlossenen Brücke durch. Welch Ruhe!

 

Sonntag, 24.07.16

 

Hafentag! Kein Wind, abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm im Ort, perfekter Liegeplatz mit beständigem Hafenkino: Herz was willst du mehr. An diesem Wochenende ist mächtig was los in Medemblick. Im Regatta-Center läuft der Worldcup der 29er. Hier schaue ich den Jugendlichen lange bei den Vorbereitungen und dem anschließenden Auslaufen zu. Was sind die Boote wackelig. Kein Vergleich zu meiner behäbigen Hansajolle. Aber ausprobieren würde ich doch zu gerne mal. Dann aber wohl eher im 49er… Im Ort findet heute außerdem eine Parade von Oldtimern statt. Wunderschöne Autos, Motorräder und Trecker gibt es zu bestaunen. Für mich das Highlight ist ein Wohnmobil, wie man es sich bei den Niederländern vorstellt. Herrlich! Im Hafenbecken wird zusätzlich noch ein Langstrecken-Schwimmen organisiert. Einmal durch das Becken, raus ins freie Wasser und zurück. Es gibt lautstarke Unterstützung von Booten und vom Land aus. Abends sind die Kneipen und Straßen brechend voll. Es herrscht eine sehr schöne Stimmung im ganzen Ort.

 

  

 

 

Montag, 25.07.16

 

Es weht wieder draußen. Es kann also wieder weitergehen mit dem Segeln. Da das beständig schöne Wetter ab Donnerstag eine Pause einlegen soll, plane ich nun nur noch bis Mittwoch. Also liegt es nahe, in Workum durch die Schleuse zurück in die friesischen Seen zu kommen. Der Wind ist noch mehr geworden. Zunächst genieße ich den leicht achterlichen Wind. Ich fahre am Regattafeld der 29er vorbei und schaue mir das Treiben aus der Ferne an. Schon spannend, wie viele Begleitboote mit draußen sind. Sobald ich aber mehr Strecke in Richtung Workum zurückgelegt habe, wird das Segeln immer spannender. Zwischen der Insel De Krempel und der nordwestlich liegenden Untiefe bekomme ich schon ordentlich Fahrt. Hier wäre der richtige Moment gewesen, um das Großsegel zu reffen. Im Nachhinein sagt sich so etwas natürlich leicht. Ich habe Spaß am zügigen Segeln und lasse die komplette Segelfläche oben. Als Stavoren querab liegt, habe ich dann auch keinen Lust mehr, für den vermeintlich kleinen Rest noch zu reffen. Aber der Wind hat noch eine Schüppe zugelegt und so komme ich in den Genuss einer surfenden Hansajolle. Immer wieder hebt sich der Bug auf den steilen und kurzen Wellenkämmen an und versucht die Welle hinunterzurauschen. Manchmal klappt es so gut, dass Flyt wirklich gefühlt eine Minute mit vollem Speed unterwegs ist. Am Anfang mache ich mir Sorgen, nicht plötzlich quer zu schlagen. Aber nachdem ich feststelle, dass sich das Boot fantastisch steuern lässt und keinerlei Anstalten macht, aus dem Ruder zu laufen, fange ich an, die Situation zu genießen. Einzig das Bergen der Segel vor der Hafeneinfahrt macht mir nun etwas Sorgen. Bei diesen Wellen möchte ich nicht unbedingt auf dem Heck herumturnen, um den Außenborder anschmeißen und dann dann Groß runterzuwerfen. Zu allem Überfluss laufen noch einige Motorbratzen mit mir ein und kümmern sich nicht viel um mich. Sie sind im Tonnenstrich und beharren auf ihr Wegerecht. Lauthals gebe ich meinem Ärger freien Lauf. Müssen die unbedingt jetzt alle hier aufkreuzen? Einer nötigt mich sogar zu einer extra Wende. Da ich bei dem Wind nicht halsen möchte, muss ich mit einer Q-Wende einmal komplett rum, um nicht außerhalb des Fahrwassers ins Flache zu geraten. Nervig! Hinter dem langen Damm von Workum wird es dann abrupt ruhig und ich kann seelenruhig bis zur Schleuse dümpeln. Ich freue mich, als ich direkt vor der Schleuse festmachen und im Boot alles klarieren kann. Der Schleusenwärter macht gerade Mittag. Somit ist die Anzahl der wartenden Yachten beträchtlich. Bei jeder sich anschließenden Öffnung entsteht ein großer Tumult, wer als nächstes darf und wer noch in die kleine Schleuse passt. Manche Skipper sind total dreist und drängeln, was das Zeug hält. Gut wenn man Zeit hat und sich das Treiben entspannt anschauen kann. Irgendwann bin auch ich mit durch und gleite gemächlich durch den Ortskern. Das Café direkt am Wasser hat leider geschlossen und so rutsche ich einem durch Workum hindurch. Hinter den letzten Häusern gehen die Segel wieder hoch und ich kann in den Abend hinein segeln. Ich finde einen einsamen Platz an einem der Marekrite-Liegeplätze und genieße zum wiederholten Male den traumhaften Sonnenuntergang.

 

  

 

Dienstag, 26.07.16

 

Kanalsegeln vom Feinsten versprach der heutige Tag. Irgendwo in der Nähe des Sneeker Meeres wollte ich zum Abschluss abermals einen Marekrite-Platz finden. Die Stationen bis dahin sind ein Stopp zum Fischessen in Heeg, das Kratzen an der leider doch zu tiefen Brücke am Prinzess-Margreth-Kanal kurz vor Sneek (ich musste doch auf die nächste Öffnung warten, 7,10m reichen nicht für die Durchfahrt!), der mobile Eisservice auf dem Sneeker Meer und etliche nette Begegnungen mit anderen alten Booten auf dem Wasser. Der letzte Abend wurde noch einmal richtig kuschelig an einem relativ einsam gelegenen Liegeplatz mitten in einem Kanal auf dem Weg nach Woudsend.

 

Mittwoch, 27.07.16

 

Ich mag gar nicht aufstehen heute. Die Reise geht zu Ende, das Boot muss wieder komplett verpackt werden und die Windrichtung in den Kanälen wird die meiste Zeit gegenan sein. Das bedeutet viel Motoren, wenig Segeln. Was sich auf dieser Reise bewährt hat, ist der Stutzen am Benzinkanister aus dem Waldarbeiter-Bedarf. Er ist fest am Kanister aufgeschraubt und schließt komplett dicht. Zum Befüllen des Außenbordertanks wird der Stutzen nur in die Öffnung gepresst und das Benzingemisch läuft. Ist der Tank voll, stoppt auch der Sprit. Perfekt für ein kleines Boot. Ich möchte es nicht mehr anders machen. Der Rest ist schnell erzählt. Die Rückfahrt geht zügig, wenn auch nervig mit dem laufenden Quirl am Heck. Im Yachthafen von Schraa Watersport werde ich schnell mit dem Boot auf den Trailer gehoben und wegen der kurzen Wege zwischen Boot und Auto bin ich nach zwei Stunde bereits reisefertig. Das Fazit: schöne Reise bei Traumbedingungen. Nächstes Jahr möchte ich aber wieder in deutsche Gewässer zurück.

 

 

17. Oktober 2016

 

Die Saison 2016 ist abgeschlossen. Flyt liegt mal wieder hoch und trocken auf dem Trailer vor der Tür. Wie schön ist doch der elektrische Kran im Club. Ganz entspannt und ohne die Plackerei mit der ollen Handkurbel lässt sich das Boot mit Fernbedienung auf den Millimeter genau auf den Trailer setzen. Ich brauche nicht einmal mehr Fender und Festmacher zum Anlegen, da ich mit der Bedienung in der Hand auf dem Wasser direkt unter den Haken fahren kann, in Ruhe aussteige und dann das Boot aus der Hand bis zum Trailer führe. Bequemer geht es nicht. Morgen muss ich das Boot noch einmal anheben, da ich die Unterlegplatten vergessen habe, um den Schwertkasten im Winter zu belüften und damit zu trocknen. Aber auch das wird nun eine Sache von Minuten werden.

 

 

 

Die Arbeiten für diesen Winter sollten sich diesmal in kleinerem Rahmen bewegen. Neben den üblichen jährlichen Lackierarbeiten am Über- und Unterwasserschiff sind ein paar Spanten zu leimen, die Fußreling an einer Stelle zu überarbeiten und das leidige Thema Scheuerleiste mal wieder anzugehen. Diesmal hoffe ich aber auf nichts Elementares...